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Studienerfolg und -abbruch in Informatik und Mechatronik an der JKU Linz

Aus der Entwicklung der Studierenden- und AbsolventInnenzahlen wird deutlich, dass die Zahl der Inskribierenden in den Fächern Mechatronik und Informatik jene der AbsolventInnen bei weitem überragt. Im Folgenden soll nun näher betrachtet werden, in welchem Verhältnis sich dieses Ungleichgewicht darstellt, d. h., es stellt sich die Frage, mit welcher Erfolgsquote zu rechnen ist, wenn AnfängerInnen ein Studium in einem der Fachbereiche beginnen. Weiters stellt sich auch die Frage, ob Frauen ihr Studium häufiger abbrechen als ihre männlichen Kollegen.

Zum Vergleich der Leistungsfähigkeit von Bildungssystemen verschiedener Länder wurden einfach zu berechnende Indikatoren definiert, die es erlauben, das Ausmaß von Phänomenen wie Studienerfolg oder Studienabbruch zu quantifizieren. Im Folgenden beziehen wir uns auf die OECD-Definition 2000 zur Berechnung der Studienerfolgsquote (SEQ) bzw. Studienabbruchquote (SAQ), wobei nach dieser Definition die Studienabbruchsquote als Komplement der Studienerfolgsquote gesetzt wird1.

Zur Annäherung an das komplexe Feld der Quantifizierung des Studienabbruchs in den interessierenden Studienrichtungen Mechatronik und Informatik an der JKU verwenden wir die vereinfachte Berechnung der Studienerfolgsquote (und der komplementären Studienabbruchsquote) nach der Querschnittsmethode und setzen die Abschlusszahlen eines Jahres mit der um eine bestimmte Anzahl von Jahren verzögerten AnfängerInnenanzahl in Beziehung2.

Für die beiden Studienrichtungen Mechatronik und Informatik wurden für jedes der Studienjahre 1996/97 bis 2004/05 Studienerfolgsquoten3 für die Studierenden gesamt sowie für Männer und Frauen getrennt berechnet. Dabei wurden die Quoten unter Berücksichtigung der beiden Indikatoren belegte Studien im ersten Semester und belegte Studien der Erstzugelassenen berechnet. Die Gegenüberstellung der jeweiligen Quoten erlaubt eine Annäherung an die Einschätzung der tatsächlichen Quoten.

Die durchschnittliche Studienerfolgsquote in der Mechatronik liegt im Beobachtungszeitraum je nach verwendetem Indikator für die AnfängerInnenzahl zwischen 31 und 52 %. Das heißt, dass zumindest die Hälfte der InskribientInnen der Mechatronik den Fachbereich ohne Abschluss verlässt. Für weibliche Studierende ist die Erfolgsquote noch geringer und liegt zwischen 8 und 32 %. Die Erfolgsquote der Männer liegt bei 32 bis 53%. Aufgrund der geringen absoluten Zahlen sollte diese Quote, speziell für die Frauen, jedoch mit großer Vorsicht interpretiert werden (betrachtet man beispielsweise den Indikator belegte Studien im ersten Semester, so finden sich 2 bis maximal 16 Erstinskribientinnen und 0 bis maximal 3 Absolventinnen pro Studienjahr im Beobachtungszeitraum4). Die numerische Minderheit der Frauen bedeutet, dass der Erfolg bzw. der Abbruch der einzelnen Studentin auch statistisch überdimensional stark ins Gewicht fällt.

In der Informatik liegt die Studienerfolgsquote im Beobachtungszeitraum durchschnittlich zwischen 24 und 56 %. Auch hier muss davon ausgegangen werden, dass mehr als die Hälfte der InskribientInnen den Fachbereich ohne Abschluss verlässt. Wie in der Mechatronik ist die Erfolgsquote der Männer, die zwischen 25 und 57 % liegt, höher als die der Frauen, welche zwischen 12 und 36 % beträgt. Wiederum ist ist jedoch Vorsicht bei der Interpretation geboten: In der Informatik gibt es im Beobachtungszeitraum 16 bis maximal 41 Erstinskribientinnen (bei Berücksichtigung des Indikators belegte Studien im ersten Semester) und 0 bis maximal 7 Absolventinnen pro Studienjahr. Bei so geringen absoluten Zahlen verändern sich die Quoten bei nur geringen Schwankungen dramatisch (etwa bei Berücksichtigung der hier nicht einbezogenen Bakkalaureatsabschlüsse5).

Auch wenn die berichteten Erfolgsquoten in der Mechatronik bzw. in der Informatik nur eine Annäherung an die tatsächlichen Zahlen darstellen können, so verweisen sie doch auf Sachverhalte, die einer näheren Untersuchung bedürfen. Es kann festgehalten werden, dass die Wahrscheinlichkeit, das Studium abzuschließen, für Frauen geringer ist als für Männer. Weiters wird offensichtlich, dass ein beträchtlicher Anteil von Studierenden, und zwar Männer und Frauen, die ins Studium einsteigen, dieses früher oder später abbrechen6. Es ist daher von großer Relevanz nach den fördernden und hemmenden Faktoren im Studium zu fragen und speziell die Sicht der Betroffenen zu berücksichtigen.


1 Ein Problem bei dieser Berechnungsmethode ist, dass hier mit Querschnitts- und nicht mit Längsschnittsdaten gearbeitet wird. Querschnittsquoten sind anfällig für "Timing-Effekte": z. B. passiert es häufig, dass Studierende ihr Studium bei studienrechtlichen Änderungen verzögern oder beschleunigen. Dies kann sich wiederum in schwankenden Quoten niederschlagen. Da jedoch vielfach keine Längsschnittdaten zur Verfügung stehen, wird oft auf eine Einschätzung von Studienerfolg und -abbruch mittels Querschnittdaten zurückgegriffen (so auch in unserem Fall). Dieser Ansatz erlaubt eine gute Annäherung für die Einschätzung "klassischer" Hochschulgänge.   zurück

2 Dabei wird die Studienerfolgsquote folgendermaßen berechnet (Hörner, 1999, S.6):
SEQ = [Zahl der AbsolventInnen im Jahr t : Zahl der StudienanfängerInnen im Jahr (t-(n-1))] * 100;
t = Berichtsjahr; n = durchschnittliche Studiendauer
Komplementär zur Studienerfolgsquote ist die Studienabbruchsquote jener Anteil der belegten Studien, die nicht erfolgreich abgeschlossen werden: SAQ = 100% – SEQ   zurück

3 Anmerkung zu Studienerfolgsquoten: Bei der Berechnung der Studienerfolgsquoten im vorliegenden Kontext sind folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Das Problem mangelhafter Indikatoren für die Zahl der StudienanfängerInnen (vgl. Entwicklung der Studierenden- und AbsolventInnenzahlen) ist auch hier von Bedeutung: Ebenso wie bei der Einschätzung der AnfängerInnen die beiden Indikatoren belegte Studien im 1. Semester und belegte Studien der Erstzugelassenen berücksichtigt wurden, so soll auch hier die Quote für die beiden Indikatoren berechnet und gegenübergestellt werden. Dies erlaubt zumindest eine grobe Annäherung an das Ausmaß des tatsächlichen Studienerfolgs bzw. des Studienabbruchs in den interessierenden Studienrichtungen.
  • Die Berechnung der Studienerfolgsquote erfolgt für die Studienjahre 1996/97 bis 2004/05. Dieser Zeitraum wurde festgelegt, weil Mechatronik erst ab 1990/91 an der Linzer Universität als Studienfach geführt wurde. Berücksichtigt man die durchschnittliche Studiendauer des Faches, so war die erste Welle von Studienabschlüssen erst zu diesem Zeitpunkt zu erwarten.
  • Eine wichtige Festlegung bei der Berechnung der Studienerfolgsquote betrifft die Bestimmung des korrespondierenden AnfängerInnenjahrgangs. Anzunehmen ist, dass die AbsolventInnen eines Jahrgangs ihr Studium zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen haben. Als „Basisjahr“ für die Annäherung wird die durchschnittliche Studiendauer verwendet. Für die beiden Studienrichtungen Mechatronik und Informatik wird eine durchschnittliche Studiendauer von 7 Jahren angenommen.
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4 Wird der Indikator Belegte Studien der Erstzugelassenen herangezogen, so sind die Zahlen noch niedriger.   zurück

5 Bakkalaureats-Abschlüsse gab es 2002/03: 61 (0 Frauen), 2003/04: 30 (15 Frauen), 2004/05: 22 (3 Frauen). Werden etwa die 15 Frauen im Studienjahr 2003/04 inkludiert, steigt die Erfolgsquote sprungartig an.   zurück

6 Auch wenn die Abbruchquoten von hier nicht berücksichtigten Faktoren beeinflusst werden (z. B.Scheininskriptionen, Studienunterbrechung, Inskription ausländischer Studierender, die oft nur wenige Semester an die Universität kommen und nur selten ihr Studium hier abschließen etc.), so ist doch anzunehmen, dass nicht alle Abbrüche auf diese Faktoren zurückzuführen sind.   zurück